Wie lange beschäftigen Sie sich mit den Themen Musik
und Musikwiedergabe
a) weniger als 5 Jahre
b) 5 bis 10 Jahre
c) 10 bis 20 Jahre
d) mehr als 25 Jahre?
Wenn Sie "d" ankreuzen sind wir vielleicht im
gleichen Alter, zumindest aber dieselbe Hifi-Generation.
Jedenfalls begann ich ungefähr mit dem fünfzehnten
Lebensjahr die einschlägigen (HiFi-)Magazine und Schaufenster
durchzustöbern, wenig später dann auch die Frankfurter
Messe. Und seitdem weiß ich von ihm.
"Er", das ist Rolf Gemein, der Kopf und Macher
hinter Symphonic Line. Höchstpubertierend fand ich in
der Anfangszeit natürlich Krachmacher à la Monster-Infinitys
usw. unwiderstehlich (aber unerreichbar wie die nächste
Galaxie). Und seit das abgeheilt ist, bleibe ich immer wieder
an den Messevorführungen des Duisburgers hängen.
Und habe dennoch bisher keines seiner Produkte ausprobiert
oder gekauft. Warum? Gute Frage! Am klanglichen Auftritt
der symphonic-lineschen Systeme kann es nicht liegen, der
gehört immer zum "Best Sound of the Show".
Ist es optischer Minimalismus, der außer chromesken
Aranya-Gehäusen dem Auge wenig Fixierung bietet? Doch
halt, gerade das mag ich. Meine Wohnung wimmelt geradezu
vor (leider nur optisch) reduzierten Bauhausmöbeln.
Das kann es also auch nicht sein - das Fragezeichen bleibt.
Jedenfalls spiegelt die karge Optik sinngemäß die
Ausstattung: symmetrische und unsymmetrische Ausgänge,
Digitalausgang, fertig.
Ja, Rolf Gemein bringt es tatsächlich fertig, den Einstieg
in seine Top-Linie "Der CD-Player" zu nennen. Dies
ist in einer Welt aufgeblasener Kunstnamen, wo jeder Depp
bereits beim Namen Lorbeer anpeilt, zumindest interessant.
Am Namensfindungsprozess des Top-Models "Reference
MK2" hat dann wohl das gesamte "Marketing Executive
Board" mitgewirkt...
Am Telefon referiert der technische Entwickler des Hauses
die Reference-Zutaten und Besonderheiten. Doch sind technische
Details - wohl wissend, dass jetzt dahinten wieder ein
Hörerlebnis lesender Ingenieur angewidert Heft 59 in
die Ecke pfeffert, wo eben noch der Forums-Beitrag "Schallwandbeispiele
für Röhrenradio-Brei(t)bänder" klebte
- für mich nicht ausschlaggebend. Was Sie wissen sollten
ist, daß der "Reference MK2" einige Dinge
in seinen zwei Bäuchen hat, die klanglich für Furore
sorgen soll(t)en.
Das Netzteil hat eine auf 100.000
µF erhöhte Siebkapazität und stabilisiert
die ausgesprochen potente Class-A-Ausgangsstufe, die wiederum
einen großen Teil des prall gefüllten Innenlebens
im eigentlichen Player beansprucht. Überdies hat die
24-Bit-Technologie mit erweiterter Filterfrequenz vor Herrn
Gemeins nicht gemeinem Gehör Gnade gefunden und Einzug
in selbiges Gehäuse gehalten. Die klangliche Krönung
- so vermute ich - stellt letztendlich die zusätzliche
Digitalplatine dar. Sie enthält im wesentlichen ein
ultrapräzises Clock-Modul, das dem garstigen Digital-Jitter
mithin exorzierend in die Parade fährt. Von meinem "Aufschraub-und-Reinschau-Fetisch" habe
ich Ihnen schon erzählt. Beim "Reference MK2" ist
es wirkliche Freude: Piekfeiner, handgearbeiteter Aufbau,
intelligente Anordnung der Bauteile, die augenscheinlich
vom Feinsten sind. Die Kondensatoren sind im Handel nicht
zu bekommen, sondern Spezialanfertigungen für Symphonic
Line. Das Laufwerk ist natürlich keine Eigenentwicklung,
aber aus der Profilinie von Philips und wird gefüttert
von einer Schublade, deren Front zur Stabilisierung aus vollem
Aluminium maßgefräst wird. Das Gerät hat
keine Bedienelemente (Ausnahme: die beiden Netztschalter
auf den Rückseiten von Player und Netzteil), ist also
auf eine der beiden mitgelieferten Fernbedienungen (System-
sowie Playerbedienung) angewiesen. Beide entsprechen keineswegs
meiner Vorstellung von Design bzw. Haptik. Insbesondere die
nach Feng Shui-Farbenlehre arrangierte Systembedienung finde
ich, nun ja, bunt. Auch die andere ist aus Plastik, dafür
einfarbig. Fairerweise muss ich zugeben, dass Rolf
Gemein mit Geduld versucht hat, mir Grundsätzliches über
Feng Shui zu erklären, von dessen Sinnhaftigkeit er überzeugt
ist und theoretische, praktische sowie lehrende Erfahrung
hat. Allein, wenn mich etwas partout nicht interessiert,
dann bin ich in meiner Ignoranz stur wie ein Esel.
Zwei Dinge gibt es, die ich erfahrungsbedingt und prinzipiell
ablehne: Zubehör und übertriebene Einspielzeiten.
Ersteres wegen meist offensichtlicher Beutelschneiderei und
letzteres als Ersatzreligion für Geräte, die nicht
gut klingen. Den zweiten Bereich nehme ich zukünftig
ernster. Denn was ich diesbezüglich mit dem "Reference
MK2" erlebe, dokumentieren nachfolgende "Tagebucheinträge":
28.11. morgens: Aufbau, erstes Einschalten, nur Funktionstest,
kein Hören.
28.11. abends: erster Hörtest. Bereits feinzeichnend
und gut auflösend. Bass wenig überzeugend,
da sehr schlank und nicht ganz präzise.
30.11. abends: erstaunliche Zunahme des Bassvolumens, "Menge" überzeugt
jetzt, Basspräzision leicht verbessert. Timing
verbessert, Hochtonschärfe beginnt zu weichen.
04.12. abends: Hochtondurchzeichnung langsam perfekt, Tiefenstaffelung
hat dramatisch zugenommen, Dynamik langsam "gefährlich".
Basspräzision weiter im Kommen.
08.12. abends: Substanz im Bass unverändert gut,
Präzision auf unglaublichem Niveau.
14.12. abends: Basspräzision mittlerweile superb,
alle anderen Parameter weiter im Steigflug auf allerhöchstem
Niveau. ...und so weiter bis Anfang Januar: Weitere kleinste
Positivänderungen, die mit zunehmendem Zeitraum nur
mit denselben CD-Titeln nachweisbar sind. Zusammengefasst
rate ich jedem Besitzer, das Gerät nie vom Netz zu nehmen.
Verbrauchstechnisch ist das vertretbar, da sich der "Reference
MK2" mit nachgemessenen 23 Watt begnügt. Dieses
Tuning ist mit ca. 2,7 Euro/Monat bezahlbar (Tendenz aufgrund
unserer Freunde vom Stromoligopol natürlich weiter steigend)
und vor Verabschiedung der unsäglichen EuP-Richtlinie
regelwütiger EU-Bürokratienichtsnutze jetzt noch
möglich. Nachdem das Gerät soweit eingebrannt ist,
kann ich Klangerlebnisse mit dem Ausnahmeplayer beschreiben.
Beginnen wir mit einer aktuellen CD, Magdalena Kozená singt
sich, begleitet von Ihrem Lebenspartner Sir Simon Rattle,
durchs Mezzo-Mozart-Repertoire (DG Archiv 00289 477 6272;
2006). Die etwas künstliche Atmosphäre hat mir
jüngst schon ein anderer, sehr guter Player vermitteln
können. Leichte Phasenfehler im "Voi che sapete",
nebenbei bemerkt eine der schönsten Arien der gesamten
Operngeschichte, hat er mir in dieser Klarheit verschwiegen.
Da das Werk hier mit Koloraturen nichtmozartischer Proveninenz
verstümmelt wird, ist das leichte Springen der Stimme
nicht mehr weiter tragisch. Aber präsent - mit dem "Reference
MK2". Den drahtig-silbrigen Klang der Originalklangstreicher
des "Orchestra of the Age of Enlightenment" arbeitet
er heraus, wie er die leicht ausgemergelt klingenden Kontrabässe
mit Darmbesaitung leicht ausgemergelt rechts hinter die Lautsprecher
stellt. Frederic Chopin hat vier Scherzi komponiert und Ivo
Pogorelich hat sie mit (wahrscheinlich) posthumer Genehmigung
im Sinn des Komponisten auf CD eingespielt (DG 439 947-2;
1998). Der kongenial eingefangene Konzertflügel ist
genauso schwarz, präzise und durchschlagend, 'wie der
gleichfarbige Klavierlack meiner Lautsprecher. Die perlenden
Läufe, die unkonventionellen Temporückungen setzen
den Interpreten an die Spitze, machen ihn unterscheidbar
von "Metronom-Pianisten". Für dieses Spiel
meinen Respekt an ihn, die CD, die Aufnahmetechniker. Und
an den Symphonic Line.
Lassen Sie mich nun über die Wiedergabe einer Operneinspielung
berichten, die ich als Schallplatte und CD in-und auswendig
kenne. "La Traviata", aufgenommen im Opernhaus
von Rom im Juni 1960 mit gleichnamigem Chor und Orchester
unter Fernando Previtali (RCA Living Stereo 09026 68885 2,
2 CDs). Obwohl es keine Liveeinspielung ist, zaubern die
Interpreten, darunter Anna Moffo (Violetta) und Richard Tucker
(Alfredo) und die Aufnahmetechniker Lewis Layton und Richard
Mohr eine prickelnde Liveatmosphäre, wie sie selten
(das ist ein Versprechen!) auf Tonträgern zu finden
ist. Die Moffo singt mit Anmut und Ausdruck ihr Schicksal
herbei, der "Reference MK2" reicht die Arbeit von
Interpret und Technik quasi kommentarlos an den ergriffenen
Zuhörer weiter. Mann, das ist gut! Verlassen wir kurz
die Klassik und gehen zu einem Genre, von dem ich nichts
verstehe: Jazz. Das einst bekannte Label "Three Blind
Mice" soll interessanten Jazz klangwürdig aufgenommen
haben. Mir liegt der Sampler "The Famous Sound of three
blind mice Vol. 1" vor (TBM CD 9001). In Nummer 7 "When
a man loves a woman" bemüht sich das Mizuhashi
Takashi Quartet um eine originelle Interpretation in Variationsform.
Nun weiß ich nicht, ob die Maßstäbe der "Klassik" generell
im Jazz angewendet werden können. Aber was ich höre,
ist schlimm. Die Saxophonlinien wirken gequält, keine
Inspiration, wo Raum dafür wäre. Ab und an wird
der Schlagzeuger wach oder bekommt ein Zeichen etwas zu tun,
was er leider befolgt und arhythmisch sein Gerät malträtiert.
Nur bedingt harmonieren Klavier und Saxophon. Die bestenfalls
mittlere Aufnahmequalität reicht der Symphonic Line
punktgenau durch. Dass die Protagonisten jeweils in
eigenen Räumen oder Kabinen spielen, erkennbar an den
unterschiedlichen Hallfahnen der Instrumente, ist nicht Schuld
des Players, sondern der Tontechniker. Leider zeigt er auch,
dass dieser Track dynamisch ziemlich enttäuscht
und auch sonst merkwürdig zerfasert ist. Glücklicherweise
ist Nummer 7 "The way we were" des Tsuyoshi Yamamoto
Trios von anderem Kaliber. Die können spielen und zeigen
das in hörenswerter Intonation und Artikulation. Und
der gestrichene Kontrabass in seinen tiefsten Lagen
zeigt, dass die anfängliche Schwäche des "Reference
MK2", reduziertes Bassvolumen, nun vollends aufgehoben
ist. Was da jetzt aus den Lautsprechern kommt, ist perfekt! Letztes Hörbeispiel auf vertrautem Terrain. Der große
Zino Francescatti spielt auf seiner 1727er Stradivari zusammen
mit dem Cleveland Orchestra unter George Szell das e-moll-Konzert
von Mendelssohn.
Das, was den 1991 gestorbenen Virtuosen
auszeichnete, Wärme des Ausdrucks und eleganter Ton,
hat die CBS (heute Sony Classical) im Jahr 1961 eingefangen.
Die Aufnahme hat eine schöne Tiefenstaffelung, allerdings
mit kleinen Verdeckungseffekten, was die Darstellung gelegentlich
in Tutti-Passagen "verklumpt". Vor allem gibt sie
uns über ein Gerät wie den Symphonic Line authentisches
Zeugnis einer vergangenen Virtuosenepoche. An dieser Stelle
gestatten Sie mir ein "Seufz". Ach, Sie wollen
eine Aussage über die Qualität des "Reference
MK2" in Relation zu den Großen des High End? Ich
habe über einen Freund einen sehr hochgelobten Japan-Player
ausgeliehen. Und in der Tat ist es ein sympathischer Player,
der insbesondere durch eine tendenziell warme Abstimmung
auffällt; das Gegenteil dessen, wofür der Name
seines Herstellers einst stand. An anderer Stelle habe ich
gelesen, dass er sich besonders durch exzellente Detailauflösung
auszeichne. Und auch das kann ich bestätigen! Aber wie
so oft, ist vieles eine Frage der direkten Konfrontation:
Setzt man den warm gelaufenen "Reference MK2" daneben,
wird der Japan-Bolide angezählt. Als Plus verbleibt
dem "Sohn Nippons" die etwas tiefere Bühne,
die anderen Disziplinen gehen an den Duisburger. Und das
in einer Klarheit, die ich nicht erwartet habe.
Fazit: Auf der Suche nach einem neuen CD-Player bitten Sie
den Händler Ihres Vertrauens nach dem Besten aus der
Namen-Ohren-Sterne-Prozent- Referenz-Bestenliste. Und nach
dem Symphonic Line "Reference MK2". Und dann vergleichen
Sie! Und dann werden Sie staunen. Und wenn bei Ihnen Transparenz,
Offenheit, Ehrlichkeit, gepaart mit gnadenloser Präzision
und Schnelligkeit denselben Stellenwert bei der Wiedergabe
von Musikonserven genießen, dann lege ich Ihnen das
CD-Player-Statement aus dem Herzen des Ruhrgebietes an selbiges.
Und andere Symphonic Line-Produkte werden dann Ihre Aufmerksamkeit
erregen. Und vielleicht berichte ich demnächst von einem
ganz besonderen Vollverstärker... MJ
Ende des Testberichts |