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Symphonic Line: Testberichte, Hörerlebnis Nr. 59
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Hörerlebnis Nr. 59: Symphonic Line: CD-Spieler Reference MK 2 - von Matthias ]ösch

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     a)   weniger als 5 Jahre

     b)   5 bis 10 Jahre

     c)  10 bis 20 Jahre

     d)   mehr als 25 Jahre?

Wenn Sie "d" ankreuzen sind wir vielleicht im gleichen Alter, zumindest aber dieselbe Hifi-Generation. Jedenfalls begann ich ungefähr mit dem fünfzehnten Lebensjahr die einschlägigen (HiFi-)Magazine und Schaufenster durchzustöbern, wenig später dann auch die Frankfurter Messe. Und seitdem weiß ich von ihm.

"Er", das ist Rolf Gemein, der Kopf und Macher hinter Symphonic Line. Höchstpubertierend fand ich in der Anfangszeit natürlich Krachmacher à la Monster-Infinitys usw. unwiderstehlich (aber unerreichbar wie die nächste Galaxie). Und seit das abgeheilt ist, bleibe ich immer wieder an den Messevorführungen des Duisburgers hängen. Und habe dennoch bisher keines seiner Produkte ausprobiert oder gekauft. Warum? Gute Frage! Am klanglichen Auftritt der symphonic-lineschen Systeme kann es nicht liegen, der gehört immer zum "Best Sound of the Show". Ist es optischer Minimalismus, der außer chromesken Aranya-Gehäusen dem Auge wenig Fixierung bietet? Doch halt, gerade das mag ich. Meine Wohnung wimmelt geradezu vor (leider nur optisch) reduzierten Bauhausmöbeln. Das kann es also auch nicht sein - das Fragezeichen bleibt. Jedenfalls spiegelt die karge Optik sinngemäß die Ausstattung: symmetrische und unsymmetrische Ausgänge, Digitalausgang, fertig.

Ja, Rolf Gemein bringt es tatsächlich fertig, den Einstieg in seine Top-Linie "Der CD-Player" zu nennen. Dies ist in einer Welt aufgeblasener Kunstnamen, wo jeder Depp bereits beim Namen Lorbeer anpeilt, zumindest interessant. Am Namensfindungsprozess des Top-Models "Reference MK2" hat dann wohl das gesamte "Marketing Executive Board" mitgewirkt...

Am Telefon referiert der technische Entwickler des Hauses die Reference-Zutaten und Besonderheiten. Doch sind technische Details - wohl wissend, dass jetzt dahinten wieder ein Hörerlebnis lesender Ingenieur angewidert Heft 59 in die Ecke pfeffert, wo eben noch der Forums-Beitrag "Schallwandbeispiele für Röhrenradio-Brei(t)bänder" klebte - für mich nicht ausschlaggebend. Was Sie wissen sollten ist, daß der "Reference MK2" einige Dinge in seinen zwei Bäuchen hat, die klanglich für Furore sorgen soll(t)en.

Das Netzteil hat eine auf 100.000 µF erhöhte Siebkapazität und stabilisiert die ausgesprochen potente Class-A-Ausgangsstufe, die wiederum einen großen Teil des prall gefüllten Innenlebens im eigentlichen Player beansprucht. Überdies hat die 24-Bit-Technologie mit erweiterter Filterfrequenz vor Herrn Gemeins nicht gemeinem Gehör Gnade gefunden und Einzug in selbiges Gehäuse gehalten. Die klangliche Krönung - so vermute ich - stellt letztendlich die zusätzliche Digitalplatine dar. Sie enthält im wesentlichen ein ultrapräzises Clock-Modul, das dem garstigen Digital-Jitter mithin exorzierend in die Parade fährt. Von meinem "Aufschraub-und-Reinschau-Fetisch" habe ich Ihnen schon erzählt. Beim "Reference MK2" ist es wirkliche Freude: Piekfeiner, handgearbeiteter Aufbau, intelligente Anordnung der Bauteile, die augenscheinlich vom Feinsten sind. Die Kondensatoren sind im Handel nicht zu bekommen, sondern Spezialanfertigungen für Symphonic Line. Das Laufwerk ist natürlich keine Eigenentwicklung, aber aus der Profilinie von Philips und wird gefüttert von einer Schublade, deren Front zur Stabilisierung aus vollem Aluminium maßgefräst wird. Das Gerät hat keine Bedienelemente (Ausnahme: die beiden Netztschalter auf den Rückseiten von Player und Netzteil), ist also auf eine der beiden mitgelieferten Fernbedienungen (System- sowie Playerbedienung) angewiesen. Beide entsprechen keineswegs meiner Vorstellung von Design bzw. Haptik. Insbesondere die nach Feng Shui-Farbenlehre arrangierte Systembedienung finde ich, nun ja, bunt. Auch die andere ist aus Plastik, dafür einfarbig. Fairerweise muss ich zugeben, dass Rolf Gemein mit Geduld versucht hat, mir Grundsätzliches über Feng Shui zu erklären, von dessen Sinnhaftigkeit er überzeugt ist und theoretische, praktische sowie lehrende Erfahrung hat. Allein, wenn mich etwas partout nicht interessiert, dann bin ich in meiner Ignoranz stur wie ein Esel.

Zwei Dinge gibt es, die ich erfahrungsbedingt und prinzipiell ablehne: Zubehör und übertriebene Einspielzeiten. Ersteres wegen meist offensichtlicher Beutelschneiderei und letzteres als Ersatzreligion für Geräte, die nicht gut klingen. Den zweiten Bereich nehme ich zukünftig ernster. Denn was ich diesbezüglich mit dem "Reference MK2" erlebe, dokumentieren nachfolgende "Tagebucheinträge": 28.11. morgens: Aufbau, erstes Einschalten, nur Funktionstest, kein Hören.

28.11. abends: erster Hörtest. Bereits feinzeichnend und gut auflösend. Bass wenig überzeugend, da sehr schlank und nicht ganz präzise.

30.11. abends: erstaunliche Zunahme des Bassvolumens, "Menge" überzeugt jetzt, Basspräzision leicht verbessert. Timing verbessert, Hochtonschärfe beginnt zu weichen.

04.12. abends: Hochtondurchzeichnung langsam perfekt, Tiefenstaffelung hat dramatisch zugenommen, Dynamik langsam "gefährlich". Basspräzision weiter im Kommen.

08.12. abends: Substanz im Bass unverändert gut, Präzision auf unglaublichem Niveau.

14.12. abends: Basspräzision mittlerweile superb, alle anderen Parameter weiter im Steigflug auf allerhöchstem Niveau. ...und so weiter bis Anfang Januar: Weitere kleinste Positivänderungen, die mit zunehmendem Zeitraum nur mit denselben CD-Titeln nachweisbar sind. Zusammengefasst rate ich jedem Besitzer, das Gerät nie vom Netz zu nehmen. Verbrauchstechnisch ist das vertretbar, da sich der "Reference MK2" mit nachgemessenen 23 Watt begnügt. Dieses Tuning ist mit ca. 2,7 Euro/Monat bezahlbar (Tendenz aufgrund unserer Freunde vom Stromoligopol natürlich weiter steigend) und vor Verabschiedung der unsäglichen EuP-Richtlinie regelwütiger EU-Bürokratienichtsnutze jetzt noch möglich. Nachdem das Gerät soweit eingebrannt ist, kann ich Klangerlebnisse mit dem Ausnahmeplayer beschreiben. Beginnen wir mit einer aktuellen CD, Magdalena Kozená singt sich, begleitet von Ihrem Lebenspartner Sir Simon Rattle, durchs Mezzo-Mozart-Repertoire (DG Archiv 00289 477 6272; 2006). Die etwas künstliche Atmosphäre hat mir jüngst schon ein anderer, sehr guter Player vermitteln können. Leichte Phasenfehler im "Voi che sapete", nebenbei bemerkt eine der schönsten Arien der gesamten Operngeschichte, hat er mir in dieser Klarheit verschwiegen. Da das Werk hier mit Koloraturen nichtmozartischer Proveninenz verstümmelt wird, ist das leichte Springen der Stimme nicht mehr weiter tragisch. Aber präsent - mit dem "Reference MK2". Den drahtig-silbrigen Klang der Originalklangstreicher des "Orchestra of the Age of Enlightenment" arbeitet er heraus, wie er die leicht ausgemergelt klingenden Kontrabässe mit Darmbesaitung leicht ausgemergelt rechts hinter die Lautsprecher stellt. Frederic Chopin hat vier Scherzi komponiert und Ivo Pogorelich hat sie mit (wahrscheinlich) posthumer Genehmigung im Sinn des Komponisten auf CD eingespielt (DG 439 947-2; 1998). Der kongenial eingefangene Konzertflügel ist genauso schwarz, präzise und durchschlagend, 'wie der gleichfarbige Klavierlack meiner Lautsprecher. Die perlenden Läufe, die unkonventionellen Temporückungen setzen den Interpreten an die Spitze, machen ihn unterscheidbar von "Metronom-Pianisten". Für dieses Spiel meinen Respekt an ihn, die CD, die Aufnahmetechniker. Und an den Symphonic Line.

Lassen Sie mich nun über die Wiedergabe einer Operneinspielung berichten, die ich als Schallplatte und CD in-und auswendig kenne. "La Traviata", aufgenommen im Opernhaus von Rom im Juni 1960 mit gleichnamigem Chor und Orchester unter Fernando Previtali (RCA Living Stereo 09026 68885 2, 2 CDs). Obwohl es keine Liveeinspielung ist, zaubern die Interpreten, darunter Anna Moffo (Violetta) und Richard Tucker (Alfredo) und die Aufnahmetechniker Lewis Layton und Richard Mohr eine prickelnde Liveatmosphäre, wie sie selten (das ist ein Versprechen!) auf Tonträgern zu finden ist. Die Moffo singt mit Anmut und Ausdruck ihr Schicksal herbei, der "Reference MK2" reicht die Arbeit von Interpret und Technik quasi kommentarlos an den ergriffenen Zuhörer weiter. Mann, das ist gut! Verlassen wir kurz die Klassik und gehen zu einem Genre, von dem ich nichts verstehe: Jazz. Das einst bekannte Label "Three Blind Mice" soll interessanten Jazz klangwürdig aufgenommen haben. Mir liegt der Sampler "The Famous Sound of three blind mice Vol. 1" vor (TBM CD 9001). In Nummer 7 "When a man loves a woman" bemüht sich das Mizuhashi Takashi Quartet um eine originelle Interpretation in Variationsform. Nun weiß ich nicht, ob die Maßstäbe der "Klassik" generell im Jazz angewendet werden können. Aber was ich höre, ist schlimm. Die Saxophonlinien wirken gequält, keine Inspiration, wo Raum dafür wäre. Ab und an wird der Schlagzeuger wach oder bekommt ein Zeichen etwas zu tun, was er leider befolgt und arhythmisch sein Gerät malträtiert. Nur bedingt harmonieren Klavier und Saxophon. Die bestenfalls mittlere Aufnahmequalität reicht der Symphonic Line punktgenau durch. Dass die Protagonisten jeweils in eigenen Räumen oder Kabinen spielen, erkennbar an den unterschiedlichen Hallfahnen der Instrumente, ist nicht Schuld des Players, sondern der Tontechniker. Leider zeigt er auch, dass dieser Track dynamisch ziemlich enttäuscht und auch sonst merkwürdig zerfasert ist. Glücklicherweise ist Nummer 7 "The way we were" des Tsuyoshi Yamamoto Trios von anderem Kaliber. Die können spielen und zeigen das in hörenswerter Intonation und Artikulation. Und der gestrichene Kontrabass in seinen tiefsten Lagen zeigt, dass die anfängliche Schwäche des "Reference MK2", reduziertes Bassvolumen, nun vollends aufgehoben ist. Was da jetzt aus den Lautsprechern kommt, ist perfekt! Letztes Hörbeispiel auf vertrautem Terrain. Der große Zino Francescatti spielt auf seiner 1727er Stradivari zusammen mit dem Cleveland Orchestra unter George Szell das e-moll-Konzert von Mendelssohn.

Das, was den 1991 gestorbenen Virtuosen auszeichnete, Wärme des Ausdrucks und eleganter Ton, hat die CBS (heute Sony Classical) im Jahr 1961 eingefangen. Die Aufnahme hat eine schöne Tiefenstaffelung, allerdings mit kleinen Verdeckungseffekten, was die Darstellung gelegentlich in Tutti-Passagen "verklumpt". Vor allem gibt sie uns über ein Gerät wie den Symphonic Line authentisches Zeugnis einer vergangenen Virtuosenepoche. An dieser Stelle gestatten Sie mir ein "Seufz". Ach, Sie wollen eine Aussage über die Qualität des "Reference MK2" in Relation zu den Großen des High End? Ich habe über einen Freund einen sehr hochgelobten Japan-Player ausgeliehen. Und in der Tat ist es ein sympathischer Player, der insbesondere durch eine tendenziell warme Abstimmung auffällt; das Gegenteil dessen, wofür der Name seines Herstellers einst stand. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass er sich besonders durch exzellente Detailauflösung auszeichne. Und auch das kann ich bestätigen! Aber wie so oft, ist vieles eine Frage der direkten Konfrontation: Setzt man den warm gelaufenen "Reference MK2" daneben, wird der Japan-Bolide angezählt. Als Plus verbleibt dem "Sohn Nippons" die etwas tiefere Bühne, die anderen Disziplinen gehen an den Duisburger. Und das in einer Klarheit, die ich nicht erwartet habe.

Fazit: Auf der Suche nach einem neuen CD-Player bitten Sie den Händler Ihres Vertrauens nach dem Besten aus der Namen-Ohren-Sterne-Prozent- Referenz-Bestenliste. Und nach dem Symphonic Line "Reference MK2". Und dann vergleichen Sie! Und dann werden Sie staunen. Und wenn bei Ihnen Transparenz, Offenheit, Ehrlichkeit, gepaart mit gnadenloser Präzision und Schnelligkeit denselben Stellenwert bei der Wiedergabe von Musikonserven genießen, dann lege ich Ihnen das CD-Player-Statement aus dem Herzen des Ruhrgebietes an selbiges. Und andere Symphonic Line-Produkte werden dann Ihre Aufmerksamkeit erregen. Und vielleicht berichte ich demnächst von einem ganz besonderen Vollverstärker... MJ

Ende des Testberichts

 
Symphonic Line: handcrafted in germany, Deutschland