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Wahnsinn mit Wirkung
Seit 30 Jahren baut Symphonic Line Verstärker. Im RG 9 MK 4 Reference steckt alle Erfahrung.
Da kommt was zusammen.
Symphonic Line: Testberichte, Vollverstärker RG 9 MK 4 Reference
     

Wer mit Rolf Gemein -Gründer und Kopf des Duisburger Herstellers Symphonic Line - über seine Verstärker spricht, gerät irgendwann ans Limit. Denn der rührige Entwickler, der sich nicht zu schade ist, auch abseits des technischen Mainstreams klanglichen Verbesserungen nachzuspüren, steht knietief in der Materie, Da fällt das Folgen oft schwer.
Tatsächlich eilt seinen Produkten der Ruf voraus, das Flair des Besonderen, Ausgereiften und Durchdachten zu verströmen. STEREO ist daran nicht unschuldig, haben wir doch, oft genug den Komponenten aus der Ruhrgebietsstadt höchstes Lob gezollt - und ihre beständige Entwicklung begleitet. Hat sich ein gewisses Maß an Optimierungen ergeben, folgt die nächste MK-Stufe. Die komplette Bezeichnung unseres mindestens 5690 Euro teuren Test-Amps lautet RG 9 MK 4 Reference Serie 2011. Alles klar?
Im Unterschied zum normalen, 1200 Euro günstigeren RG9 MK4 kommen hier etwa die Reference-Versorgungs-module für das Eingangs- und Leistungsteil
mit hinsichtlich ihrer Schnelligkeit und anderen Parametern speziell ausgesuchten Dioden und Kondensatoren für die individuelle Gleichrichtung der einzelnen Sekundärspannungen zum Einsatz. Sie sind auf vier Stelzen montiert, über die Gemein ihre Abstimmung auf definierte Resonanzmuster erreichen will Außerdem wurde die Verguss-technologie des Trafos verbessert, was einerseits eine ausgeprägtere Ruhe aber auch, gesteigerte Dynamik bewirken soll.

Tuning wie beim Geigenbauer

Das ist längst nicht alles: Abseits des Bau-teileaufwands nimmt Gemein jeden Reference-Amp zwecks Feinabstimmung mit in seinen Testraum. Dort wird zum Beispiel punktuell C37-Lack aufgetragen, was die Performance auf die Spitze treiben soll. Welch ein Aufwand! Der vermeintliche Wahnsinn hat durchaus Methode: "Wer wie manche Anwender die Platinen komplett vollschmiert, verliert Auflösung und Attacke"', weiß Gemein. Letztlich geht er nach eigener Aussage wie ein Geigenbauer an seinem Instrument vor. Das Ziel ist ein Verstärker, der seine Energie exakt dorthin schiebt, wo sie gebraucht wird, "in jeder Frequenz- und Zeiteinheit". Aber auch Sonderwünsche werden auf diesem Weg bedient.. Manche Hörer möchten, ihr Gerät mit etwas mehr "intellektueller Durch-zeichnung" oder "charmanter Abrundung", so Gemein. Dann stimmt er den Amp - in engen Grenzen - eben etwas in dieser Richtung ab. Unser Test-RG9 war allerdings streng auf "richtig" getrimmt.



  Natürlich haben wir die Aussagen anhand des in STEREO 10/07 getesteten RG9 MK4 überprüft, der der Redaktion ebenso treu als Arbeitsgerät dient wie der erst in Ausgabe 3/10 "aktualisierte" kleinere RG14 Edition.
Mal dahingestellt, woran es nun liegt - der normale RG9, der für 1200 Euro aufgerüstet werden kann, findet im "Reference" seinen Meister. Schätzten wir bereits die Normalausführung nicht zuletzt wegen ihrer Antrittskraft, ihrer exakt gesetzten Energie, so wirkt die getoppte Version nochmals ansatzloser und dynamisch fokussierter. Gitarren bekommen einen beinahe physisch fühlbaren Korpus. Das Schwingen ihrer Saiten wird prägnant und mit federnder Strin-genz reproduziert, verwischt nicht.
Auch in Sachen Auflösung und Räumlichkeit liegt der Reference vorne. Leicht zu hören, wenn man das "Jerusalem" aus der "1OOth Season" der "Last Night Of The Proms" auflegt. Großer Chor samt Orchester sowie das Publikum singen und spielen gemeinsam und durcheinander. In diesem Gemenge die Übersicht zubehalten, ist eine echte Herausforderung für jede HiFi-Komponente, zumal sich die Schallanteile im mittleren Frequenzspektrum ballen,
wo das Ohr besonders empfindlich ist und jede Abweichung leicht registriert. Der Oberwellenanteil muss phasengenau übertragen, werden, damit der Hörer die Klangfarben, die einzelnen beteiligten Gruppen sowie die räumlichen Dimensionen der Londoner Royal Albert Hall, in der die Aufnahme stattfand, nachvollziehen kann. Dem RG 9 MK4 gelingt's sehr gut, dem Reference, der insgesamt für ein noch plastischeres Vorne-Hinten-Tiefenrelief sorgte und mehr Ordnung ins Gewimmel brachte, praktisch perfekt.
Im Umfeld seiner straff auftretenden Amp-Kollegen tönte der Reference, der viel Einspielzeit benötigte, letztlich am druckvollsten und prägnantesten, was nicht nur besagten Gitarren, sondern auch Stimmen Festigkeit und eine besondere Intensität verlieh.

Erstklassiges Phonoteil an Bord

Für diese glänzende, rhythmisch besonders nuancierte Vorstellung ruft Symphonic Line einen satten Preis auf. Der wird dadurch etwas gemildert, dass der Amp einen wirklich erstklassigen Phono-Eingang für MM- und MC-Abtaster samt einem Cinch-Buchsenpaar für Adapterstecker zwecks Kapazitäts- und Impedanzanpassung mitbringt, der als externe Lösung gleicher Güte kaum weniger als 500 Euro kosten würde - plus Kabel. Aber nicht nur Piattenhörer finden im RG9 MK4 Reference einen "wahnsinnig" guten, ausgereiften Vollverstärker.

Preis/Leistung: Exzellent

 
Symphonic Line: handcrafted in germany, Deutschland