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Symphonic Line: Logos, Hörerlebnis
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Vollverstärker Kraftwerk MK2, Hörerlebnis Nr. 60, Energie für mehr Freude - von Matthias Jösch

Liest man Prospekte oder studiert die Symphonic-Line-Homepage, taucht ein Wort häufiger auf als andere: Freude.

Freude ist positiv besetzt, wenn ich von der rheinischen Frohnatur einmal absehe. Freude kann sich als Lachen äußern, lachen erzeugt Glücksgefühle und hält angeblich sogar gesund.

Freude entsteht zum Beipiel bei positiver Soll-Ist-Abweichung oder emotionaler Entspannung. Diese beiden Betrachtungen lege ich meinem Bericht über das Kraftwerk MK2 der Duisburger Manufaktur zugrunde. Was ist das "Soll", das nach gängiger High-End-Diktion ein Vollverstärker erfüllen muss oder kann? Nun, getrennte Vor-End-Kombis sind zunächst einmal qua definitionem besser, oder?

Wie, Sie haben einen Vollverstärker? Der aufgeklärte Steller dieser Frage fügt zumeist das weggelassene "nur" durch pikierten Augenaufschlag wieder hinzu. Also: Vollverstärker sind doof. Sie sind Spielzeug der Bourgeoisie, der Adel kauft separate Vor- und Endstufen, letztere selbstverständlich als Mono-Blöcke. Andererseits wird, unter der Hand, leise und zögerlich befürchtet, dass die kurzen Signalwege in Verbindung mit weniger Gehäusekosten ein hervorragendes Verhältnis von Preis und Leistung ergeben könnten. In diesem Dilemma bewegen sich Interessenten, Betreiber, Verkäufer sowie Rezensenten von Vollverstärkern. Und deren Hersteller. Die aus technischer Sicht wahrscheinlich schlimmsten Störer, die Netztrafos mit zugehöriger Infrastruktur, verbannt Symphonic Line in zwei identische - dem aranyaglänzenden Hauptgerät durch profanes schwarz optisch unterlegene - Gehäuse, die mit ausreichend mitgelieferter Kabellänge in weiter Entfernung der eigentlichen Klangentstehung Platz finden. Die "kleinen" schwarzen sind vom Format identisch, wiegen underschiedlich und haben verschiedene Aufgaben. Eines versorgt mit seinem 300 Watt Mumetalltrafo die Vorstufensektion und mein dringender Rat ist, es immer am Netz zu lassen. Denn im Gegensatz zu seinem 700-Watt-Kollegen im anderen Gehäuse ist es nicht nach einer halben Stunde klangbereit, benötigt im Leerlauf dafür aber auch nur ca. 20 Watt. Der analytische Pharisäer könnte nun zu dem Schluss kommen, dass diese Anordnung im Grunde ja noch besser wäre, als die Trennung von Vor- und Endstufe. Denn dabei liegen die Trafos in den Gehäusen und können in den Klangweg spucken. Na bitte, wenn Sie so wollen... Kommen wir zum eigentlichen Verstärker, der fast genauso daher- kommt wie alle aus diesem Hause. Fast? Zwei Dinge sind äußerlich anders als bei den Bestsellern RG9, RG10 und RG14. Die drei Bedienknöpfe des Kraftwerks MK2 sind nicht nebeneinander, sondern in Form eines gedachten "> "-Zeichens angeordnet. Und es sind nur drei statt der gewohnten vier. Dafür zeigen sechs auf der Oberseite nach hinten und zwei an den Seitenwänden verlaufende Kühlgitterreihen, wer hier Schmidt und wer Schmidtchen in Duisburg ist: das Krafwerk MK2 steht an der Spitze der Integrierten. Und zweimal 180 Watt Sinus an acht Ohm maßregeln selbst schwierige Lautsprecher. Die technischen Unterschiede sind im wesentlichen eine völlig neue modulare Vorstufe, die doppelte Netzteilauslegung, die höhere Leistungsfähigkeit durch eine größere Endstufe mit drei Pärchen pro Seite der derzeit besten Endtranistoren, einem großen Class A-Anteil sowie eine Schaltungstopologie, die von der Topendstufe Kraft 250 entliehen wurde. Dazu eine ganze Batterie feinster für Symphonic Line gefertigter Kondensatoren. Die Austattung ist umfassend. Vier Line-Eingänge (zweimal Aux, Tuner, CD) und ein Kopfhörerverstärker (6,3mm-Buchse) sind vorhanden. Die Vor-/Endstufensektion ist auftrennbar, was Sie aber sofort nach dem Lesen wieder vergessen können. Denn dieser Verstärker ist so gut, dass diese Möglichkeit zu nutzen womöglich bedeuten würde, Synergien zu verschwenden. Mehr dazu und zum ebenfalls serienmäßigen Phonoeingang weiter unten. Weiterhin liegt eine Fernbedienung für die Lautstärke bei und alle Kabelverbindungen der drei Gehäuse miteinander und natürlich ein Netzkabel (ich verwende allerdings hartnäckig ein HMS Gran Finale Jubilee).

Wieviel Freude bereitet es dem Hörer, das Kraftwerk MK2?

Etwas Geduld wird vom Käufer gefordert. Das Gerät benötigt eine sehr lange Einspielzeit von ungefähr zwei Wochen, bevor 100 Prozent Klangqualität erreicht sind. In dieser Beziehung unterscheidet es sich nur unwesentlich vom CD-Player Symphonic Line Reference MK2 (siehe HE 59). Anlässlich einer jüngst im Fernsehen konsumierten Dokumentation über das Gershwinsche in Bernsteins Kompositionen beginne ich mit Gershwin. Vom emotionalen Ansatz bleibt die alte RCA-Aufnahme mit den Boston Pops unter Arthur Fiedler führend (RCA LSC 2367, 1960). Der Testproband hat mir deutlich den Unterschied zwischen meiner Ur-Shaded-Dog und dem Chesky-Reissue aus den 90ern (Chesky-LP RC8) aufgezeigt. Das stark reduzierte Bassfundament kompensiert die alte Scheibe mit tieferer Klangbühne und strahlenderen Farben. Macht nichts, sagt der späte New Yorker Zwilling, dafür habe ich kaum Laufgeräusche und bin viel stabiler in der Projektion. Besonders letzteres führt es mir sehr zwingend vor Ohren, das Kraftwerk. Gar nicht so einfach, mir neue Unterschiede zu präsentieren, da ich die beiden Platten in- und auswendig kenne. Nun, mit dem Kraftwerk ist das überhaupt kein Thema.

Der Opener "The house is haunted by the echo of your last goodbye" von Holly Coles gleichnamigem Album (T&M 039; 2006) präsentiert Instrumente, deren Kombination für den klassisch orientierten Hörer ungewöhnlich, aber sehr reizvoll ist. Neben dem Klavier nehmen Alt-, Tenor-, Basssaxophon und Posaune teil an dem wunderbaren Song. Die Protagonisten werden vom Testobjekt ultrapräzise im Raum verteilt, die lupenreinen Bässe des Basssaxophons machen mir dabei fast Angst. So eine sauber-präzise und dabei holographische Klangqualität ist sehr, nein: sehr, sehr selten! Bei der Gelegenheit meinen Dank an die Aufnahmeleute von Holly Cole. Es gibt sie also doch noch, mit Liebe und Kompetenz aufgenommene Alben, die nicht nur auf MP3-Brüllwürfeln abspielbar sind. Bruckners Fünfte beginnt mit arpeggierten, tiefen Streicherlagen in die sich im Verlauf Geigen und Violen eincremen, bevor Trompeten choralartig intonieren. Das wirkt sakral und gleichzeitig aufreibend, emotional. In der Liveeinpielung des Aufnahmehassers Sergiu Celibidache (EMI 7243 5 56691 2; 2 CDs) gewinnt der großartige Dirigent wie meistens seine Hörer vom ersten Takt an. Atemlose Spannung und aufs Feinste ausgehörte Artikulation machen seine posthum publizierten Interpretationen zu Schätzen. Diese Werte bringt der Verstäker aus Duisburg in meinen Hörraum. Das Pulsen des Blechs? Das Plucken der Stakkati? Das Schmelzen der Streicher im "Adagio"? Mittelmäßig aufgenommen, aber ausgezeichnet reproduziert! Auch hierbei fällt die tonale Reinheit des Verstärkers und das ferrarieske Impulsverhalten auf. Erholungsphasen hat das Kraftwerk nicht nötig. Mit Hilfe von Neil Diamonds "Oh Mary" (Sony CD 82876761312; 2005) kläre ich einen Irrtum auf, der beim Hören des Kraftwerks auftreten kann: zu wenig Baß. Das ist falsch! Die bärige Stimme Diamonds geht sehr tief in den Keller, aber sie verfettet nicht. Durch Artefakte aufgeblähte, loudnessartige Baßwiedergabe dürfen Sie vom Kraftwerk nicht erwarten. Aufgrund seiner Schnelligkeit und Präzision bleibt die Wiedergabe hingegen auch in der Tiefe sauber, rein und nie überpräsent.

Natürlich habe ich das für die Meßfreaks unter Ihnen mit Hilfe einer geeigneten Testton-CD überprüft. Und es geht ohne Verluste bis hinunter auf 35 Hertz, wo meine Lautsprecher allerdings langsam die Segel zu streichen beginnen. Übrigens: LPs habe ich mit der serienmäßigen Phonostufe des Kraftwerks gehört. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, Ihre Schallplatten auf höchstem Niveau wiederzugeben! Mit dem Zyx und dem Dynavector habe ich keine einfachen Partner gewählt; das sind niederohmige Systeme gepaart mit sehr geringer Ausgangsspannung. Und was insbesondere die Kombination Brinkmann 10.5 mit Dynavector Te Kaitora Rua und Kraftwerk-Phonostufe bringt, braucht sich nicht so schnell zu verstecken. Im Gegenteil: Mit dem 220-Ohm-Abschluß ist die klangliche Performance des MK2 deutlich näher an meiner externen Bonnec Fono SXL, als das eigentlich aufgrund des Preises sein sollte. Und Rausch oder Brumm glänzen durch Abwesenheit. Wenn Sie Ihrem Händler bei der Bestellung nichts anderes sagen, sind Anpassungen von 100 und 1000 Ohm voreingestellt (die MM-Fähigkeit ist immer mit "an Bord"). Da ich mit diesen Werten wenig anfangen kann, habe ich 220 und 470 Ohm bestellt. Offen bleibt nur der Wunsch, die Phonowerte einstellen zu können, ohne das Gerät zu öffnen.

In den langen Jahren meiner Beschäftigung mit Musik und HiFi habe ich einen besonderen "Indikator" für das Rechts-Links-Verhalten, also die Kanalgleichheit gefunden. Es handelt sich um Aufnahmen, die um die Jahrhundertwende entstanden sind. Um die vorletzte Wende, meine ich. Bevor Sie darüber lachen, bitte erst zu Ende lesen. Auf "The HMV Treasury - The Great Violinists Volume 1" sind Violinaufnahmen von 1900 bis 1913! Die sind klanglich betrachtet natürlich indiskutabel. Aber aus zwei Gründen hochinteressant. Zunächst wegen der Interpreten, oder haben Sie schon mal eine Aufnahme gehört, wo Joseph Joachim, Fritz Kreisler, Pablo de Sarasate, Eugene Ysaye, Jaques Thibaud, Willy Burmester oder Jan Kubelik höchstselbst spielen? Zweitens ist es reinstes Mono und damit prima geeignet, die Ausrichtung der Lautsprecher, oder, wenn schon erledigt, eventuelle Kanalungleichheiten Ihrer Komponenten zu entlarven. Besonders die Einspielungen von Sarasate aus dem Jahre 1903 müssen dabei - nicht größer als eine Briefmarke - genau mittig zwischen den Lautsprechern auf etwa halber Höhe erscheinen. Daß es beim Symphonic Line (unabhängig von der Lautstärke) genau so ist, muß ich nicht extra erwähnen, oder? Nur am Rande: wo ein Volume 1, da gibt es auch ein Volume 2. Sollten Sie die LP zufällig übrig haben, ähm, bitte denken Sie an mich.

Fazit:

Das Symphonic-Line-Kraftwerk MK2 nimmt den Kampf mit wesentlich teureren Bolidenkombinationen auf, es ist klanglich, haptisch und preislich ein Gewinn für die High-End-Szene. Und wer weiß, vielleicht vertreibt es auch in Ihrem Musikzimmer letzte Klangprobleme und schafft dauerhafte Freu(n)de.

Ende des Testberichts

 
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