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| STEREO 04/1995, Symphonic Line die Nummer 1? - von Joachim Pfeiffer (Achtung!! - Tonabnehmer wurde weiterentwickelt!) |
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| Rolf Gemein hatte einen Traum.
Der beste Tonabnehmer aller Zeiten sollte seinen Markennamen
"Symphonic Line" tragen. Ein System der Superlative, das alle
bisherigen klanglich in den Schatten stellen sollte. Auch preislich.
Denn der Wirklichkeit gewordene Traumabtaster kostet ein kleines
Vermögen. STEREO überprüfte, ob Gemeins Anspruch ins Schwarze
trifft. Das Symphonic Line RG 8 Gold im Exklusivtest. |
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Das passiert selten: Geplant hatten
wir für diese Ausgabe einen Bericht über diverse neue Tonabnehmer.
Und jeder weiß um die Arbeit, die Systeme den Testern bescheren:
Die analogen Kostbarkeiten gehören eingespielt, an diversen
Armen montiert, über verschiedene Phonoverstärker abgehört
und und und. Erst nach wochenlangem Hören dürfen wir es
uns erlauben, einen Abtaster zu bewerten. Und nun das:
Kurz vor Schluss erreichte uns ein Tonabnehmer, der die
sorgfältige Planung über den Haufen warf. Rolf Gemein schickte
ein noch uneingespieltes Symphonic Line RG 8 Gold, verbunden
mit der Bitte, es noch mindestens fünfzig Stunden „einzufahren".
Mit anderen Worten: Für diese Ausgabe kam das Nobelsystem
eigentlich viel zu spät. Und auch der Preis, exakt 12.198
Mark (kein Druckfehler), verbot die Aufnahme ins avisierte
Testfeld.
Meine Vernunft diktierte: Beachte das RG 8 Gold überhaupt nicht, lass es „links" liegen
und beschäftige dich erst nach Ablauf der Produktion mit diesem Spitzenabtaster.
Aber hatte nicht die altehrwürdige „Stereophile" berichtet, das Gemeinsystem
wäre das beste dieser und aller anderen Galaxien? Gut drei Stunden währte meine
Standhaftigkeit, dann wurde ich schwach. Das Symphonic Line fand sich - wie von
Geisterhand montiert - unter der Headshell des Tonarms SME Series V. Zwei Minuten
später reifte in mir die Gewissheit, den Heftplan umzuwerfen.
Das Symphonic Line ist auf den ersten Blick als Arbeit von Altmeister Aalt ]ouk
van den Hul zu erkennen. Es unterscheidet sich optisch nur marginal vom legendären
System Grasshopper III Gold, das ich seit Jahren schätze und immer wieder gern
einsetze. Am Grasshopper faszinieren mich Dynamik und Direktheit der musikalischen
Reproduktion. Andere Systeme, allen voran das Audioquest 7000 NSX, überzeugen
mich mit einer gelungenen Mischung aus Dynamik, Klangfarben und Rauminformation.
In dem Sinne ist das alte Hul weniger ausgewogen, aber es hat Charakter, das
zählt.
Die naheliegende Erwartung, das RG 8 Gold klinge wie eine Mixtur aus dem alten
und dem aktuellen Grasshopper IV, musste ich schon während der ersten Hörsekunden
revidieren. Das RG 8 Gold setzte sich geradezu dramatisch von allem ab, was mir
bislang unter die Headshell gekommen ist. Vielleicht können die großen und teuren
Systeme von Clearaudio noch mithalten, der Rest hat wohl das Nachsehen. Das RG
8 Gold macht alles richtig, besser noch: richtiger. Klangfarben werden besser
aufgefächert, Dynamik ist bis in die kleinsten Verästelungen zwingender und die
Rauminformation läßt selbst Spitzenklasseabtaster irgendwie flächig erscheinen.
Womit sich das RG 8 aber vollends aus der bisherigen Klasse der Toptonabnehmer
abhebt, ist die Dreidimensionalität, die ungeheure Plastizität der Wiedergabe.
Ein schottischer Hersteller hochwertiger Plattenspieler hat einst einer erst
belächelten, dann begriffenen Theorie zum Durchbruch verholfen. Nicht der Abtaster,
sondern das Laufwerk mache die Musik. Es lohne nicht, ein Supersystem an einen
mittelmäßigen Arm auf einem fragwürdigen Dreher zu montieren. Grundsätzlich stimmt
das. Aber das RG 8 Gold relativiert zumindest die Aussage. Wesentliche Vorzüge
des Symphonic Line blieben durchaus erhalten, als es probeweise von einem SME
309 auf einem Zarathustra S 4 geführt wurde. Diese Kombination ist zwar alles
andere als „fragwürdig", erreicht aber auch nicht das Niveau wirklicher
Spitzendrehwerke, die musikalische Strukturen glaubwürdiger und selbstverständlicher
nachzeichnen. Genau in diesen Disziplinen verblüffte das RG 8, da meine Altformation
nicht nur detailreicher und räumlich exakter, sondern auch strukturierter als
über viele Jahre gewohnt musizierte. Ein Phänomen, das ich gemeinhin der Güte
von Laufwerken zuschreiben musste.
Verlassen wir in diesem Bericht die übliche Testroutine und legen ein paar Klassiker
aus Vinyl auf den Plattenteller des Transrotor Quintessence. Aufnahmen, die mich
und womöglich auch Sie ein halbes Leben lang begleiten, die Sie und ich folglich
aus dem „eff-eff" zu kennen glauben. Rolling Stones: „You Can't Always Get
What You Want" (Originalaufnahme, Decca, 1969). Das Stück beginnt mit einer
Chorsequenz, die über das RG 8 ungewöhnlich frisch und luftig reproduziert wurde.
Insbesondere gegen Ende des Intros störte gemeinhin ein leicht „scheppernder" Klang, |
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mit dem RG 8 löst sich das gesamte Werk erstmalig völlig
frei von Verzerrungen auf. Auf dem rechten Kanal entfaltet
sich konturenstark und differenziert wie nie zuvor die
Gitarre, auf dem linken bläst ein leibhaftiger Interpret
das Horn und dann... in der Mitte steht ein lebensgroßer
Mick Jagger, der rotzfrech und aggressiv sein „You Can't
Always Get What You Want" singt. Dagegen wirkten bisherige
Darbietungen fast schon wie Abziehbilder, mal größer, mal
kleiner, aber irgendwie doch alle begrenzt.
Fritz Wunderlich (Der große deutsche
Tenor; EMI 2909883, vergriffen) lege ich nur in den seltenen
Fällen auf, wo ich rundherum mit meiner Anlage und mit
mir zufrieden bin. Der vor vielen Jahren verstorbene Tenor
erwies sich stets als harter Prüfstein bei der Beurteilung
analoger Komponenten. Wunderlichs wunderbare Stimme völlig
unverkrampft und ohne jede metallische Schärfe aus der Rille zu lesen, gelingt
nur wenigen Systemen. Das RG 8 Gold schafft erneut deutlich mehr. Es lässt total
vergessen, einer Konserve zu lauschen. Der geschätzte Fritz
Wunderlich scheint wiederauferstanden. Selten zuvor war
mir so bewusst, dass Schallplatten Kulturgut sind.
Vladimir Horowitz in Moscow" (Deutsche Grammophon 419499-1) ist eine Aufnahme,
die ich eigentlich in Rotation versetze, um ein nagelneues System einzuspielen.
Die von der Deutschen Grammophon 1986 veröffentlichte Scheibe ist digital vorproduziert,
dynamisch gibt sie sich eher bescheiden - kein Wunder, wenn die Laufzeit einer
Seite stattliche 35 Minuten beträgt (...erraten, das ist auch der Grund, weshalb
ich diese Platte für das Weichklopfen neuer Abtaster favorisiere). Mit dem RG
8 Gold habe ich mir nach langer Zeit das Vermächtnis des russischen Interpreten
in voller Länge angehört. Und war schlichtweg begeistert von der Atmosphäre,
der authentischen Darstellung von Raum, Instrument und Reaktionen des Publikums.
Kein Fall für audiophile Ohren, aber musikalisch ein epochales Ereignis. Horowitz,
sechzig Jahre zuvor aus der Sowjetunion geflüchtet, kehrt vor seinem Tod in die
Heimat HOME und spielt, als ob er das Auditorium inbrünstig um Verzeihung bittet,
um Liebe und Anerkennung anficht. Wohlgemerkt, die Aufzeichnung ist digital.
Ich nehme es zur Kenntnis, aber in diesem besonderen Fall stört es mich überhaupt
nicht.
Gegen Digitaltechnik im allgemeinen habe ich nämlich nichts einzuwenden, wohl
gegen CDs, die schlampig produziert wurden. DAT beispielsweise ist aus unserer
Sicht ein hervorragendes Medium, analoge Vinylklänge einzufangen. Sie werden
es vielleicht als Sündenfall werten, aber von jedem Tonabnehmer, von jeder Laufwerks-/Tonarm-konfiguration
fertige ich seit Jahren DAT-Kopien. Über entsprechend hochwertige Wandler abgehört,
bleibt zirka neunzig Prozent des analogen Zaubers erhalten. Genug jedenfalls,
um mich auch nach geraumer Zeit an die Klangeigenschaften der analogen Quelle
zu erinnern. Das sage ich Ihnen nicht ohne Hintergedanken. Zehn treuen Lesern
möchte ich ein besonderes Geschenk bereiten. Sie sollen teilhaben und mittelbar
nachvollziehen können, was das Symphonic Line RG 8 Gold leistet. Was sind Worte,
nur die Musik zählt. Jeweils 1:1 habe ich für sie Kopien von den Schallplatten
gefertigt. Aussagekräftige Titel, die Ihnen eine Ahnung davon vermitteln sollen,
mit welcher Autorität das Symphonic Line komplexes Musikgeschehen reproduziert.
Als Laufwerk dient natürlich der Transrotor Quintessence mit Tonarm Graham 1.5
T „Keramik", die Phonoverstärkung übernimmt der Mark Levinson No. 25 S
(abgeschlossen mit 10 kOhm), via NBS-Professionalkabel gehts direkt in den DAT-Recorder.
Schreiben Sie uns unter dem Stichwort „Symphonic Line" eine Postkarte, unsere
Redaktionssekretärin wird mit verbundenen Augen die Gewinner ziehen.
Wer diesen Abtaster hört, wird um digitale Komponenten einen großen Bogen machen;
wer diesen Abtaster zerstört oder ganz einfach verschleißt, braucht indes nicht
zu befürchten, seine immense Investition sei für die Katz'. Zum Freundschaftspreis
von knapp 400 Mark wird dieses außergewöhnliche Stück Technik mit neuer Nadel
versehen und vermag dann wieder mindestens 2600 Betriebsstunden Freude zu entfachen.
Himmliche Freuden. |
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